Geschichte

Der Verbandskreis

Bereits im Herbst 1914 wurde die Gründung eines freiburgischen Milchproduzentenverbandes beschlossen. Die Beitritte gingen aber derart spärlich ein, dass die junge Vereinigung nicht lebensfähig erhalten werden konnte. Dies ist zum Teil auf die sprachliche Verschiedenheit, anderseits auch auf die verschiedenen lokalen Interessen einzelner Kantonsgebiete zurückzuführen.

Der Initiative einiger einflussreichen Produzenten aus dem Sensebezirk ist es dann gelungen, das Interesse für den Berner Verband zu wecken. Am 20. März 1915 fand erstmals eine Vertrauensmännerversammlung zur Besprechung über einen eventuellen Anschluss der deutsch-freiburgischen Genossenschaften an den Verband statt. An dieser Besprechung wurde auch die Veranstaltung der grossen erfolgreichen Produzentenversammlung vom 28. März in Düdingen beschlossen.

 

Die 1. Verbandsversammlung vom 28. März 1915

An der Versammlung vom 28. März 1915 der Milchproduzenten des Sensebezirkes in Düdingen, wurde ein Vortrag von Prof. Dr. Laur über „Organisation, Erfolg und Ziele der Milchverbände" gehalten.

Folglich wurde der Anschluss an den Verband bernischer Käserei– und Milchgenossenschaften für sehr empfehlenswert propagiert.  Alles wurde in die Wege geleitet und der Verband gegründet.

25 Käsereien erklärten sich zum sofortigen Beitritt. 17 folgten im folgenden Jahr. Laut Jahresbericht aus dem Jahr 1915/16 wurden bereits 16,8 Mio. Kilo Milch bzw. Käse über den Verband verwertet. Diese Genossenschaften gruppierten im Sensebezirk 1237 Milchproduzenten mit 10'344 Kühen.

Es wurde der ein Kreisvorstand mit folgenden Herren gewählt und eingesetzt:

Grossrat Franz Boschung, Überstorf

Grossrat Alfons Horner, Tützenberg

Grossrat Jost Piller, Plaffeien

Jos. Blanchard, Landwirt, Tann bei Tafers

Alfons Bäriswil, Kassier, Alterswil

Die Herren Blanchard und Bäriswil setzten sich für diese Gründung besonders ins Zeug und können somit die grössten Verdienste für sich beanspruchen.

Meistens fanden die Vorstandsitzungen im Hotel Metzgern in Freiburg statt. Die Produzentenversammlungen wurden im Hotel Taverna in Tafers abgehalten.

Eigene Statuten besitzt der Kreisverband Sensebezirk nicht. Die Organisation stützt sich auf die Bestimmungen der Verbandsstatuten vom 11. Februar 1912.

Im gleichen Stil sollte dann auch der Seebezirk angegangen werden.

Im Jahre 1917 wurde der Vorstand des Sensebezirks mit den Herren J. Gutknecht, Grossrat, Kerzers und S. Kramer, Kassier der Käsereigenossenschaft Lurtigen als Vertreter des Seebezirks ergänzt.

Wie sich dann herausstellte war dies noch etwas zu früh. Auf Grund vieler Anregungen, man möge doch den Kreisverband Sense mit den Genossenschaften aus dem Seebezirk zu einem einzigen freiburgischen Kreisverband zusammenzuschliessen, fand dann am 2. Dezember 1917 eine Orientierungsversammlung statt. In der Folge entschieden sich dann von den 19 in Betracht kommenden Genossenschaften 7 für eine Gründung eines einzigen grossen freiburgischen Kreisverbandes, aber 12 wünschten sich ein Kreisverband - Seebezirk im Alleingang.

Die Gründung des Kreisverbandes Seebezirk verzögerte sich dann, nicht zuletzt wegen der damals herrschenden Maul- und Klauenseuche, bis zum 9. Februar 1921.

Diese Getrenntheit hielt ganze 81 Jahre bestand, bis dann im Jahre 1994 sich doch die beiden Kreisverbände zusammentaten.

 

Rückblick

Am 30. April 1938 verlor der Kreisverband des Sensebezirks ihren Präsidenten Franz Boschung von Überstorf. Er präsidierte diesen Verband seit der Gründung 1915. Als ehemaliger Grossrat, später Nationalrat kannte er die schweizerische Landwirtschaftspolitik bestens und hatte grossen Einfluss in kantonaler, wie auch nationaler Ebene. Als Wirt und Landwirt war er auch Friedensrichter, Mitglied mehrerer Verwaltungsräte. Er war im Vorstand des Verbandes der bernischen Käserei- und Milchgenossenschaften und Vorstandsmitglied des Zentralverbandes schweizerischer Milchproduzenten. Als im Frühling 1915 die Käsereigenossenschaften des freiburgischen Sensebezirkes einen Kreisverband bildeten und beim bernischen Milchverband Anschluss suchten, stand Franz Boschung an der Spitze der Bewegung. Er hat auch die denkwürdige Milchproduzenten-Tagung vom 28. März 1915, die von über 400 Mann besucht war und an der Prof. Laur über die Notwendigkeit der Organisation der Milchproduzenten referierte, geleitet. Franz Boschung starb 71 jährig in seiner Heimatgemeinde Überstorf.

Als sein Nachfolger wurde Josef Blanchard, Grossrat, Tafers gewählt. Gerade ein gutes Jahr leitete dieser die Senslermilchproduzenten, als dann auch er, erst 57-jährig am 26. September 1940 verschied.

Neuer Kreispräsident wurde jetzt Alphons Brügger, Grossrat, Jetschwil bei Düdingen.

Dieses Mandat konnte er bis 1964 innehaben, bis auch er unerwartet im 77. Altersjahr starb. Er war seit 1939 auch Vorstandsmitglied im Milchverband Bern.

 

Neuer Versuch

In einer gemeinsamen Sitzung mit dem Ziel der Gründung eines einzigen Freiburgischen Milchverbandes mit den Kreisvorständen Freiburg,  Sense- und Seebezirk im Jahre 1939 scheiterte das Vorhaben. Ein bezügliches Projekt war von der landwirtschaftlichen Schule  Grangeneuve ausgearbeitet worden. Hauptsächlich die deutsch-freiburgischen Milchproduzenten der Emmentalergenossenschaften waren der Auffassung beim Berner-Verband, der ja auch als einziger für gute Fabrikation angemessene Prämien ausrichtet, besser aufgehoben zu sein.

 

Der Zusammenschluss

Endlich war es dann soweit, im Frühling 1994 haben sich die Käserei- und Milchgenossenschaften Deutschfreiburgs zum Verbandskreis Sense-See jetzt mit eigenen Statuten zusammengeschlossen.

Im Jahre 2001 wurden die Statuten überarbeitet und der Verband tritt jetzt rechtlich als Verein auf.

 

Die Milchproduzenten

Im Jahre 1946/47 betrug die Produktion der 1532 Milchproduzenten unseres Verbandes 21,6 Mio. Kilo. 20 Jahre später lieferten 1263 Produzenten 37,4 Mio. Kilo Milch in die Käsereien. Im Jahre 1965/66 waren 36 von den 47 dem Berner Milchverband angeschlossenen Käsereien in der Siloverbotszone eingeteilt. Die Sensler fühlten sich gegenüber ihren Berufskollegen im angestammten Verbandsgebiet schon etwas benachteiligt, schrieb Ing. Agr. Alfons Brülhart 1967 in den Beiträgen zur Heimatkunde.

Im Milchjahr 1983/84 steigerten die noch 830 Produzenten mit 11'790 Kühen die Milchmenge auf 48,9 Mio. Kilo. Ende der neunziger Jahre ist die Zahl der Milchbauern auf 450 zurückgegangen. Es bestehen noch 45 Käserei- und Milchgenossenschaften. Die Milchmenge ist auf 46,7 Mio. Kilo gesunken, während das durchschnittliche Milchkontingent auf 103'000 kg angestiegen ist. Mit der Umstellung der Produktion von Emmentaler Käse auf Greyerzer haben sich einige Genossenschaften dem Verband Freiburgischer Milchgenossenschaften mit Sitz in Bulle angeschlossen.

 

Die Finanzen

Schon früh sind die gegründeten Kreise durch ihre alljährlich zu leistende Beiträge auch Inhaber von Verbandsobligationen und von Aktienkapital der Verbandsdruckerei geworden.

So war dies auch beim Kreisverband des Sensebezirks. In ihrer 1. Jahresrechnung 1922 wurde bereits ein Wertschriftenbestand von Fr. 60 500.- und Transitorische Aktiven von Fr. 1 075.85 ausgewiesen.

Die geleisteten Beiträge an den Verband betrugen damals von allen 48 Genossenschaften aus dem Sensebezirk Fr. 11 951.50 erhoben auf eine Milchmenge von gut 23 Mio. Kg.

Bis zum Jahre 1932 ist das Vermögen (jetzt angelegt auf der Sparkasse Tafers) auf Fr. 89 000.- angewachsen. An der Kreisversammlung im April 1932 wurde beschlossen einen Betrag von Fr. 20 000.- aus der Kreiskasse entsprechend der Milchlieferung der vorangegangenen 2 Jahre auf die Genossenschaften zu verteilen und den Schlachtviehmarkt Düdingen jährlich mit Fr. 200.- zu subventionieren. In der Folge wurden weiter Überweisungen 4 Jahre à Fr. 100.- an das freiburgische Bauernsekretariat und Fr. 16 870.- an den Hauptverband freiburgischer Hilfskassen gemacht. 1951 überwies man einen grösseren Betrag an die Trocknungsgenossenschaft des Sensebezirks. Im Jahre 1958 unterstütze man die Bangbekämpfung mit Fr. 2 111.60

Im Rahmen des Zusammenschlusses im Jahre 1994 des Kreisverbandes Sensebezirk mit dem Kreisverbandes Seebezirks wurde das besitzende Kapital auf die jeweiligen Milchmengen der Bezirke angeglichen. Beachtliche Beträge wurden zum Ausgleich den jeweiligen Mitgliedergenossenschaften, gewichtet nach Milchmengen, ausbezahlt.

Die jeweiligen Jahresrechnungen wurden immer durch das Verbandsbüro separat geführt. Bis 1965 erscheinen die Jahresrechnungen immer im Jahresbericht des „Verbandes bernischer Käserei- und Milchgenossenschaften“.

Ab 2001 wird die Rechnung vom neu gegründeten Verein „Verbandskreis Sense- und Seebezirk“ selber geführt.

 

Der Milchverband Bern

Am 24. Oktober 1911 traten im „Casino" in Bern 193 Abgeordnete aus 134 Genossenschaften des Bernischen Käsereiverbandes und des Verbandes zentralschweizerischer Milchgenossenschaften zusammen und beschlossen die Gründung einer neuen Einheitsorganisation unter dem Namen „Verband bernischer Käserei- und Milchgenossenschaften". Das Vermögen, das von beiden Verbänden übergeben werden konnte, betrug Fr. 14 275.15. Der Bernische Käsereiverband war im Jahre 1897 auf Initiative der ökonomischen und gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern ins Leben gerufen worden. Er stellte sich zur Aufgabe das Käserei- und Stallinspektionswesen im Kanton Bern zu heben und die Emmentalerkäsereien und Qualitätsfabrikation zu fördern.

Dem Verband zentralschweizerischer Milchgenossenschaften, gehörten vorwiegend konsummilchliefernde Genossenschaften in der Stadtnähe an. Durch Einflussnahme auf Preis und Absatz der Milch suchte er den Mitgliedern zu dienen. Die Milchhändler konkurrenzzierten sich selbst, und den daraus entstehenden Schaden hatten in erster Linie die Produzenten zu tragen. Solange die Käserei- und Konsummilchproduzenten nicht in einer gemeinsamen Organisation erfasst waren, wurde die eine Gruppe gegen die andere ausgespielt. Oft kam es vor, dass Milchhändler sich mit Käsereien verständigten, um einen Druck auf die stadtnähern Bauern auszuüben. Durch die Gründung des Verbandes bernischer Käserei- und Milchgenossenschaften sollten die von beiden Verbänden befolgten Richtlinien vereinigt und die gegenseitige Unterbietung ausgeschaltet werden. Das von der neuen Organisation übernommene Ziel wurde in zäher Aufbauarbeit allmählich erreicht. Vorerst musste danach getrachtet werden, möglichst viele Milchlieferanten zu erfassen. Diese Bestrebung fand ihre weitgehende Verwirklichung sogar bis ins angrenzende Freiburger- Nachbarland.

 

Der Zentralverband schweizerischer Milchproduzenten

Um die vorletzte Jahrhundertwende nahm der Einfluss der Milchproduzenten und deren Genossenschaften auf die Milchpreisbildung langsam ab. Der Erlös aus Milchverwertung verminderte sich dadurch ebenfalls. Den Produzenten standen besser organisierten und durchwegs kapitalkräftigeren Milchkäufer in einer monopolähnlichen Stellung gegenüber. Die Milchproduzenten waren ihnen meistens wehrlos ausgeliefert. Hinzu kamen die ebenfalls gut organisierten Käsehändler. (So schilderte dies Theo Stocker die wirtschaftliche Situation der Milchproduzenten Ende des 19. Jahrhunderts in „75 Jahre ZVSM», Bern, 1982“).

Die Milchproduzenten erkannten bald, dass nur ein gemeinsames Vorgehen ihre schwache Marktstellung verbessern konnte. Im Sinne einer Selbsthilfe sind darum um die Jahre 1890 bis 95 in der Westschweiz kleinere Verbände von sechs bis acht Genossenschaften entstanden. Sie wollten die Milch in den Städten Genf und Lausanne direkt verkaufen.

In den Jahren 1904 bis 1908 erfolgte dann vorwiegend in der deutschen Schweiz die Gründung von grösseren regionalen Milchproduzentenverbänden. Sie setzten sich laut Stocker vorerst nicht den direkten Verkauf von Milch, sondern lediglich die gemeinsame Diskussion und Festsetzung der Verkaufspreise gegenüber den Milchkäufern zum Ziel. Die Verbände erwiesen sich rasch als wirksames Mittel zur Beeinflussung des Milchpreises.

Schon bald aber genügten auch diese regionalen Zusammenschlüsse nicht mehr, der Zusammenschluss zu einer Landesorganisation erwies sich als notwendig. Den Anstoss lieferte der Verband nordwestschweizerischer - Milchgenossenschaften, der damals einen schweren Kampf mit dem „Allgemeinen Consumverein“ beider Basel und der mit ihm verbündeten Kondensmilchfabrik Cham auszufechten hatte. Auf Einladung dieses Verbandes hin versammelten sich am 27. Juli 1906 und am 29. Januar 1907 in Olten die Vertreter von neun regionalen Verbänden. In einer zweiten Versammlung beschlossen die Delegierten auf Vorschlag des Bauernsekretärs Ernst Laur einstimmig die Gründung des Zentralverbandes schweizerischer Milchproduzenten. Dem Verband traten bis zum Ende des ersten Jahres seines Bestehens die neun Gründungsverbände und nachher, bis zum Jahre 1919, noch weitere 18 regionale Milchproduzentenverbände bei. In der Folge fusionierten besonders in der Ost-, Zentral -, und Westschweiz kleinere Verbände mit grösseren, was die Durchschlagskraft verstärkte. Ende der neunziger Jahre sind noch 13 Milchverbände dem „Verband schweizerischen Milchproduzenten“ (SMP) angeschlossen.